»Metropole des deutschen Westens«

Köln als »Gauhauptstadt« im Nationalsozialismus

Als die Nationalsozialisten 1933 in Köln an die Macht kamen, wollten sie eine Stadt schaffen, die ganz nach ihren Vorstellungen durchorganisiert und gestaltet war. Köln, damals drittgrößte Metropole im Deutschen Reich, wurde nicht nur ein wichtiger Stützpunkt des NS-Staates, sondern auch ein Kraftzentrum der NSDAP.

Modell der NS-Stadtplanung für den Ausbau der »Gauhauptstadt«., ca. 1939

Modell der NS-Stadtplanung für den Ausbau der »Gauhauptstadt«., ca. 1939 – Blick auf das »Gauforum« in Deutz, Foto: RBA Köln, rba_137355

Hier saß die Gauleitung Köln-Aachen, die Führung der NS-Partei für Stadt und Region. Sie residierte ab 1934 in der Alten Universität, der früheren Handelshochschule und heutigen Technischen Hochschule in der Kölner Südstadt. Unter dem Kölner Gauleiter Josef Grohé arbeitete hier ein Stab von »alten Kämpfern«, NS-Aktivisten und Funktionären daran, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens nach den Vorgaben der NS-Ideologie umzuformen. Es gab Ämter für »Volksgesundheit«, »Rassenpolitik«, »Volkswohlfahrt«, »Leibesübungen«, Recht, Wirtschaft, Erziehung usf. Entscheidend für die Machtentfaltung der Gauleitung war, die Kölner Stadtverwaltung weitgehend unter ihre Kontrolle zu bringen. Die damaligen Oberbürgermeister waren Marionetten von Grohés Gnaden, viele Positionen in der Kommunalverwaltung wurden mit NS-Getreuen besetzt; Organisationen der Partei wie die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt übernahmen einen Teil städtischer Aufgaben, etwa in der Fürsorge, der Kinder- und Jugendbetreuung.

Dabei konnte sich die Gauleitung auf einen stetig wachsenden Parteiapparat stützen. Gehörte Köln vor 1933 noch zu den deutschen Städten, in denen die NSDAP schwer Fuß fassen konnte, so holte man nach 1933 auf. Immer mehr Kölner*innen traten der Partei bei, ob aus Opportunismus, Karrierismus oder Überzeugung. 1942 gab es in den Vierteln der »Gauhauptstadt« 125 NSDAP Ortsgruppen; Block- und Zellenleiter »betreuten« Straßenzüge und Wohnblöcke; Arbeitsleben und Freizeitaktivitäten wurden von Mitarbeitern der Deutschen Arbeitsfront organisiert und observiert. Eine fünfstellige Zahl von NS-Anhänger*innen wirkte daran mit, die Bevölkerung zu überwachen und ideologisch zu »schulen«, die »brauchbaren Volksgenossen« zu unterstützen und jene auszugrenzen, die als »Volks-« und »Staatsfeinde« galten. Ein Teil der Kölner Geschichte, über den man nach 1945 nicht gern sprach.

Das Netz von Parteidienststellen war ein Kennzeichen der »Gauhauptstadt«, das andere die fortlaufende Propaganda. Nationalsozialistische Aufmärsche, Feste und Feiern sollten die Macht der NSDAP demonstrieren, die Bevölkerung mobilisieren und die Geschlossenheit von Partei und »Volksgemeinschaft« vor Augen führen. Immer wieder empfing Gauleiter Grohé den »Führer« und andere NS-Prominenz in der Stadt, flankiert von den »Heerscharen« der »nationalsozialistischen Bewegung«. Großveranstaltungen wie die Gau- und Kreisparteitage inszenierte man in der Art von Reichsparteitagen, zwischen 1936 und 1938 entstand nach Nürnberger Vorbild ein »Maifeld« am Aachener Weiher. Ein Aufmarschplatz, gedacht für 200 000 Menschen, mit einer Rednertribüne gewaltigen Ausmaßes, darüber ein aus Eisen gefertigter Adler mit einer Flügelspannweite von 20 Metern und Hakenkreuz in den Klauen.

Dabei konnte sich die Gauleitung auf einen stetig wachsenden Parteiapparat stützen. Gehörte Köln vor 1933 noch zu den deutschen Städten, in denen die NSDAP schwer Fuß fassen konnte, so holte man nach 1933 auf. Immer mehr Kölner*innen traten der Partei bei, ob aus Opportunismus, Karrierismus oder Überzeugung. 1942 gab es in den Vierteln der »Gauhauptstadt« 125 NSDAP Ortsgruppen; Block- und Zellenleiter »betreuten« Straßenzüge und Wohnblöcke; Arbeitsleben und Freizeitaktivitäten wurden von Mitarbeitern der Deutschen Arbeitsfront organisiert und observiert. Eine fünfstellige Zahl von NS-Anhänger*innen wirkte daran mit, die Bevölkerung zu überwachen und ideologisch zu »schulen«, die »brauchbaren Volksgenossen« zu unterstützen und jene auszugrenzen, die als »Volks-« und »Staatsfeinde« galten. Ein Teil der Kölner Geschichte, über den man nach 1945 nicht gern sprach.

Das Netz von Parteidienststellen war ein Kennzeichen der »Gauhauptstadt«, das andere die fortlaufende Propaganda. Nationalsozialistische Aufmärsche, Feste und Feiern sollten die Macht der NSDAP demonstrieren, die Bevölkerung mobilisieren und die Geschlossenheit von Partei und »Volksgemeinschaft« vor Augen führen. Immer wieder empfing Gauleiter Grohé den »Führer« und andere NS-Prominenz in der Stadt, flankiert von den »Heerscharen« der »nationalsozialistischen Bewegung«. Großveranstaltungen wie die Gau- und Kreisparteitage inszenierte man in der Art von Reichsparteitagen, zwischen 1936 und 1938 entstand nach Nürnberger Vorbild ein »Maifeld« am Aachener Weiher. Ein Aufmarschplatz, gedacht für 200 000 Menschen, mit einer Rednertribüne gewaltigen Ausmaßes, darüber ein aus Eisen gefertigter Adler mit einer Flügelspannweite von 20 Metern und Hakenkreuz in den Klauen.

 

In der »Gauhauptstadt« sollte möglichst wenig an die Weimarer Republik, an Pluralität, demokratische oder freiheitliche Traditionen erinnern. Ganz ausradieren wollte man die Geschichte allerdings nicht. Sie wurde genutzt für nationalsozialistische Traditions- und Imagepflege. Ab 1935 führte Köln wieder den Ehrentitel »Hansestadt«. Auch in der Kulturpolitik und in den Museen betonte man das Erbe des Mittelalters und die frühere Bedeutung Kölns als kulturelles Zentrum und Handelsstadt. Dahinter stand ein geschichtspolitisches Programm: Die »Gauhauptstadt« sollte an ihre »große Vergangenheit« als »alte Reichsstadt« anknüpfen und wieder zur dominierenden Metropole im Westen werden, auch über die Grenzen des Rheinlands hinaus.

Dies sollte auch in einer baulichen Erneuerung der Stadt zum Ausdruck kommen. 1935 begann die Kommune, die Kölner Altstadt umzugestalten. Die Straßen um die romanische Kirche Groß St. Martin, ein Quartier, das den Ruf eines Unterweltviertels hatte, sollte umfassend »saniert« werden. Soziale Randgruppen wurden vertrieben, neue Gewerbe angesiedelt, alte Häuser abgebrochen und renoviert, verwinkelte Gassen begradigt. Das Ergebnis war ein neues, von allem »Unerwünschten« gesäubertes Altstadtviertel.

Ab 1937 begannen Gauleitung und Stadtverwaltung, die Neugestaltung Kölns als »Metropole des deutschen Westens« zu planen. Durch die Innenstadt wollte man eine neue Ost-West-Verbindung legen, eine breite Prachtstraße mit monumentaler Bebauung. Deutz war als neues Zentrum der »Gauhauptstadt« vorgesehen. Nach Vorgaben Hitlers und Entwürfen des Kölners Clemens Klotz, der als Architekt auch die NS-Ordensburgen oder das »Kraft-durch-Freude-Seebad« in Prora geschaffen hatte, sollte ein gigantomanisches »Gauforum« das rechte Rheinufer beherrschen, im Mittelpunkt eine riesige Versammlungshalle und ein Aufmarschplatz für die Massen. Auch ein Glockenturm, ein Wasserbassin, überdimensionierte Bürobauten für Staat und Partei sowie ein eigener Bahnhof schwebten der NS-Führung vor. Später entwickelte man entsprechende Pläne auch für das linksrheinische Köln, mit weiteren Straßendurchbrüchen bis zum Aachener Weiher, Häuserblöcken, repräsentativen Kulturbauten und einem neuen Hauptbahnhof.

Monumentale Herrschaftsarchitektur im Stil von Albert Speers »Reichshauptstadt Germania« war die Vision von Köln als »Gauhauptstadt«. Zentrale Straßen und Plätze der Innenstadt sollten verschwinden, der Stadtteil Deutz weitgehend ausradiert werden, die Altstadt, der Dom, die Kirchen nur noch schmückendes Beiwerk sein. Es kam jedoch anders. Wegen des Zweiten Weltkriegs geriet das Großprojekt ins Stocken, noch bevor die Baumaßnahmen begonnen hatten. Im heutigen Köln erinnert kaum noch etwas an diesen Aspekt der Stadtgeschichte – bis auf die Ost-West-Verbindung zwischen Heumarkt und Rudolfplatz, deren Ursprünge in den 1930er-Jahren liegen. Ein kleines Überbleibsel der gewaltigen Pläne für eine nationalsozialistische Metropole.

Text: Thomas Roth

Dr. Thomas Roth ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Er forscht u.a. zu Verfolgung und Ausgrenzung im NS-Regime.