Engagiert fürs Museum

Was die Fördervereine bewegt

Ob Ferdinand Franz Wallraf oder Johann Heinrich Richartz, Josef Haubrich oder Peter und Irene Ludwig. Kölns Museen profitierten schon immer vom Engagement der Kölner Bürgerschaft. Und das ist noch heute so.

Fragen an Ralph-Andreas Surma

Porträtfoto von Ralph-Andreas Surma, Vorsitzender der Overstolzengesellschaft

Herr Surma, die Overstolzengesellschaft unterstützt und fördert das MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln in vielfacher Hinsicht. Warum braucht ein Museum Freunde und Förderer?

In Deutschland haben wir – anders als zum Beispiel in den USA – das Glück, dass Museen zumeist öffentlich finanziert sind. Allerdings handelt es sich hierbei heutzutage meist nur noch um eine Grundversorgung, die gerade so reicht, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten. Alles, was darüber hinausgeht, muss über andere Wege finanziert werden. Und hier kommen die Freunde und Fördervereine ins Spiel. Wir sind dafür da, dem jeweiligen Museum Wünsche zu erfüllen, also dessen Arbeit so zu unterstützen, dass Ausstellungen, Neuerwerbungen, Restaurierungen und die gerade heute so wichtigen IT-Projekte möglich werden, die sonst nicht realisiert werden könnten. Oft dient eine finanzielle Unterstützung des Fördervereins auch als Startpunkt, um weitere Mittel von Dritten einzuwerben. Ganz abgesehen davon: Freund*innen zu haben, auf die man sich verlassen kann, ist doch immer gut!

Welche Ziele verfolgt die Overstolzengesellschaft?

Laut unserer Satzung ist ihr Zweck die Unterstützung und Förderung des MAKK in jeder Form, sei es die Sammlungen durch Neuerwerbungen zu ergänzen, die wissenschaftliche Arbeit am Museum zu unterstützen oder die Öffentlichkeit für das Museum zu interessieren. Aktuell steht das MAKK vor einer großen Herausforderung: Im gesamten Haus werden die Fenster saniert. Deshalb ist die historische Schausammlung nicht zugänglich, nur unsere Designabteilung ist geöffnet, und es finden trotz Pandemie beachtliche Sonderausstellungen statt. Diese bauliche Situation hat die Direktorin Frau Dr. Hesse beherzt zum Anlass genommen, die bisherige Dauerausstellung neu zu konzipieren, so dass die Besucher*innen nach Abschluss der Arbeiten ein ganz neues MAKK zu Gesicht bekommen. Eine Mammutaufgabe, die großer finanzieller Mittelbedarf und uns Overstolzen in den nächsten Jahren besonders fordern wird.

Was hat Sie persönlich zu Ihrem Engagement bewogen?

Das MAKK ist eines der vier großen Kunstgewerbemuseen in Deutschland. Ich nenne es immer Schatzhaus! Alle Gattungen von Keramik über Möbel, Glas, Silber und Schmuck sind vom frühen Mittelalter an bis zum aktuellen Design mit Spitzenwerken vertreten! Ich selbst interessiere mich für Metall- und Silberarbeiten der Bauhauszeit und habe mich riesig gefreut, in der Overstolzengesellschaft dieses Interesse mit anderen teilen und mich für dieses Schatzhaus engagieren zu können! Zumal es eine große Ehre ist, einem Förderverein mit so langer Tradition und gesellschaftlicher Verankerung in Köln vorzustehen. Das Engagement ist mir auch so wichtig, weil es Kunstgewerbemuseen heute immer schwerer haben, ein interessiertes Publikum zu erreichen. Viele Menschen können eher etwas mit Warhol oder Picasso anfangen als mit Meissner Porzellan, mit Majolika oder Möbeln des an europäischen Königshäusern hochgeschätzten Kunsttischlers David Roentgen. Das MAKK kann vielen Menschen »alte«, für sie aber neue Lebens- und Wohnwelten zugänglich machen, also Dinge, mit denen sich jeder auch heute noch – vielleicht nur in schlichterer Form – umgibt und die unseren Alltag schöner machen.

Gibt es Projekte und Aktivitäten in der Vergangenheit, die Ihnen beson ders wichtig sind? Welche Neuerwerbungen haben Sie begeistert?

Vor allem während der Sanierungsphase ist mir die Unterstützung der Sonderausstellungen, mit denen Frau Dr. Hesse und ihr Team das Museum sehr erfolgreich im öffentlichen Bewusstsein gehalten haben, ein ganz besonderes Anliegen. Neuerwerbungen begeistern mich immer, und wir haben in der Tat viele Mitglieder, die dem Museum bzw. der Overstolzengesellschaft Objekte stiften, beispielsweise aus den Bereichen Mode, Schmuck oder Porzellan. Unser größtes Zukunftsvorhaben ist die bereits erwähnte Unterstützung des MAKK bei der Neukonzeption der Dauerausstellung. Hierbei passiert auch eine Menge im digitalen Bereich, was wir sehr unterstützen.

Durch die Coronapandemie steht das MAKK, wie die Museen allgemein, vor ungeahnten Herausforderungen. Wie kann ein Förderverein die Häuser dabei unterstützen, diese zu meistern?

Vor allem, indem wir und unsere Mitglieder fest zum Museum stehen und ihm die Treue halten! Ich bin unseren Mitgliedern dankbar, dass es bis lang – trotz Coronaschließungen und sehr eingeschränktem Veranstaltungsprogramm – zu keiner Austrittswelle gekommen ist. Das Beispiel der zuvor genannten Anschubfinanzierung für Drittmittel belegt sehr gut, dass man auch in diesen Zeiten sinnvolle Unterstützung leisten kann, damit das Museum uns in Zukunft zumindest virtuell noch näher sein kann. Diese digitalen Angebote werden über die Pandemie hinaus immer wichtiger werden, unter anderem, um neue Zielgruppen zu erschließen. So hat das MAKK auf seiner Webseite jüngst einen virtuellen Rundgang durch die international renommierte Designabteilung ermöglicht. Man hat nun das Gefühl, auch von zu Hause aus »live« im Museum zu sein und viele der Objekte dort samt Beschreibung von allen Seiten betrachten zu können. Das hat mich tief beeindruckt.

Angesichts des großen finanziellen Aufwands in Zusammenhang mit der Neukonzeption der Dauerausstellung möchten wir als Freundeskreis einen substanziellen Beitrag leisten, um das MAKK für das Publikum so schön und spektakulär wie möglich machen zu können – so eine Gelegenheit gibt es nur einmal! Das ist für unseren Verein sicher die größte Herausforderung seit Langem, und wir entwickeln hierfür gerade ein spezielles Spendenkonzept, da wir für dieses Ziel in der Tat größere Geldbeträge einwerben müssen.

Die Overstolzengesellschaft fördert auch den Austausch zwischen dem Museum und den Besucher*innen. Welche Rolle spielt dabei der Arbeitskreis des MAKK?

Der Arbeitskreis ergänzt hervorragend das Veranstaltungsprogramm des Museums. Wir haben das Glück, hier sehr engagierte Mitglieder zu haben, denen es eine große Freude ist, möglichst vielen Menschen unterschiedliche Bereiche und Epochen der angewandten Kunst in Führungen näherzubringen. Insgesamt versuchen wir, unser Veranstaltungsprogramm bekannter zu machen und mit zusätzlichen Angeboten auch bei Nichtmitgliedern Interesse zu wecken.

Das Thema dieser Ausgabe lautet »Neugier«. Gibt es in der Sammlung des MAKK ein Objekt oder Kunstwerk, das Sie besonders neugierig macht?

Es gibt eine wunderbare Silber-Jardiniere, ein Blumenbehälter, entworfen von dem Architekten Henry van de Velde. Sie ist an sich aus dem Jugendstil, aber in ihrer reduzierten, schlichten Form beinhaltet sie bereits alles, was später die Moderne ausmacht! Sie »atmet« den Zeitgeist der Avantgarde und steht für die Zeitenwende ins weitere 20. Jahrhundert. Ein unglaubliches Stück, das damals im konservativen Deutschland von Wilhelm II. bei aller Kostbarkeit des Materials nur als radikal bezeichnet werden konnte. Diese Schale würde ich gerne einmal in die Hand nehmen … Und so gibt es im MAKK viele Objekte, die unendlich neugierig machen auf ihre Entstehungsgeschichte, ihre Herkunft und wie sie in unsere Sammlung kamen. Man kann sich in einem Museum einfach nicht sattsehen …

Interview: Rüdiger Müller