Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln
Im ans Deutsche Tanzarchiv Köln angeschlossenen Tanzmuseum werden Geschichte und Gegenwart der Tanzkunst auf besondere Weise erlebbar. Die jährlich wechselnden thematischen Ausstellungen speisen sich aus den reichhaltigen Beständen des Tanzarchivs. Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen machen das Tanzmuseum zu einem Ort der Begegnung und ermöglichen den Besucher*innen immer neue Zugänge zum Thema.
Besuchsinformationen
0221 88895-400
tanzarchiv@sk-kultur.de
Donnerstag – Dienstag 14 – 19 Uhr
Adults 5,50 €
Concessions 3 €
Combined ticket with the exhibitions in the Photographic Collection (1st floor): 9 € / concessions 6 €
Im Mediapark 7
50670 Köln
Website: https://www.deutsches-tanzarchiv.de/
Anfahrt
Öffentliche Verkehrsmittel
S-Bahn, U-Bahn: „Hansaring" oder „Christophstraße/Mediapark“ (5 bis 10 Minuten Fußweg)
Parken
Cinedom
Förderverein
Freunde der Tanzkunst am Deutschen Tanzarchiv Köln e. V.
freunde-der-tanzkunst.de
Das Museum ist rollstuhlgängig.
Das Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln
Schönheit. Anmut. Dynamik. Die Kunst des Tanzes begeistert viele und verfügt in Köln über eine besondere Bühne: Im Deutschen Tanzarchiv beschäftigt man sich mit der Geschichte des Tanzes und seiner Gegenwart. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verwaltung von Nachlässen wichtiger Persönlichkeiten der Tanzgeschichte. Die werden nicht nur archiviert und aufgearbeitet, sondern auch der Öffentlichkeit in Ausstellungen und Publikationen zugänglich gemacht. Archiv, Bibliothek und Filmsammlung können von allen Interessierten genutzt werden. Gegründet 1948 vom Tänzer und Pädagogen Kurt Peters, befindet sich das Tanzarchiv heute in Trägerschaft der SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn und der Stadt Köln. Seit 1997 zeigt das angeschlossene Tanzmuseum vor allem die Geschichte des Tanzes vom 18. bis 20. Jahrhundert. Dabei greift es unter wechselnden thematischen Aspekten auf einen umfangreichen eigenen Bestand zurück: Kunstwerke, Fotografien, Dokumente, Kostüme, Requisiten und Filme.
»Was sehen wir? Was prägt unser Bild vom Tanz? Mit grundlegenden Fragen wie diesen möchten wir unsere Besucher*innen motivieren und anregen, die Wirklichkeit des Tanzes mit ganz anderen Augen zu sehen. In unseren Ausstellungen, in begleitenden Veranstaltungen, aber auch in der Auseinandersetzung mit den Beständen unseres Archivs.«
- Thomas Thorausch, stellv. Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln
Liebling
Der klassische Tanz, wie er auf den Ballettbühnen rund um die Welt die Menschen in seinen Bann zieht, ist für viele bis heute der Inbegriff von Schönheit. Edgar Degas’ Skulptur »Petite danseuse de quatorze ans« zählt zu den weltweit bekanntesten Zeugnissen einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema: Anmut und Eleganz des Tanzes spiegeln sich in diesem Abbild einer Tänzerin. Degas’ Zeitgenossen waren schockiert von der 1881 in einer Ausstellung präsentierten Skulptur, die der Künstler in Wachs modelliert und mit Mieder, Gazeröckchen, Schuhen und echtem Rosshaar ausgestattet hatte. Der Künstler zog daraus seine Konsequenzen: Die Darstellung der 14-jährigen Tänzerin wurde zu seinen Lebzeiten nie mehr gezeigt. Erst nach seinem Tod stellte man über 30 Bronzegüsse her, die sich heute in vielen bedeutenden Museen befinden. In der Sammlung des Tanzarchivs spielt die Skulptur eine herausragende Rolle. Beispielhaft lassen sich an ihr und Degas’ Modell, der Tänzerin Marie van Goethem, Geschichten zur sozialen Lage der Gruppentänzerinnen und Tanzschülerinnen im 19. Jahrhundert erzählen: Sie handeln von erschreckender Armut – die abschätzige Bezeichnung als »Ballettratten« lässt es erahnen – und von sexueller Ausbeutung durch wohlhabende Gönner.
Drama mit Wirkung
Jedes Archiv der Tanzkunst bewahrt mehr als Dokumente – auch die Liebe zum Tanz. Als am 11. Februar 2008 ein Feuer den Dachstuhl im Hauptgebäude der Folkwang Universität in Essen zerstörte, blieb das Archiv der Tanzabteilung wie durch ein Wunder fast unversehrt. Über Nacht wurde das Deutsche Tanzarchiv Köln zum »Asylarchiv«, das die geretteten Bestände aufnahm und betreute. Das inspirierte die Kölner Fotografin Susanne Fern und den stellvertreten den Archivleiter Thomas Thorausch zu einem Foto- und Ausstellungsprojekt: Während der Arbeiten am Bestand porträtierte Fern das Folkwang Tanzarchiv mit der Kamera. So entstand ein fotografischer Essay als eine Art Liebeserklärung, bei der weniger der Inhalt als vielmehr die ästhetische Anmutung eines Archivs im Vordergrund steht. Die Erfahrung, wie verletzlich kulturelle Güter sein können, wirkt im Deutschen Tanzarchiv Köln nach – es zählt zu den Gründungspartnern des Notfallverbundes der Kölner Archive und Bibliotheken.
Die Akte Josephine Baker: Als das FBI ermittelte
Im Sammlungsbestand 225 finden sich Dokumente zu Leben und Werk der Tänzerin und Sängerin Josephine Baker. Sie zählt zu den populärsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und war der erste schwarze international erfolgreiche Superstar, die Königin des Charleston und der Goldenen Zwanzigerjahre. Ihr legendäres Bananen-Kostüm schrieb Tanzgeschichte, ihr Chanson »J’ai deux amours« wurde zum Evergreen. In den 1950er-Jahren geriet sie ins Visier des FBI, das sie »kommunistischer Umtriebe« verdächtigte. Ihre Akte umfasste 359 Seiten. Die US-amerikanische Bundespolizei sammelte in der Folge bis weit in die 1960er-Jahre Informationen jedweder Art über Baker, die aktiv die schwarze Bürgerrechtsbewegung unterstützte und unter anderem durchsetzte, dass bei ihren Shows sowohl weißes als auch farbiges Publikum willkommen war.