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Veedelszoch

Chargesheimer, Veedelszög, 1956, Silbergelatine, 17,7 x 23,7 cm, Museum Ludwig, Köln, Inv.-Nr. ML/F 1981/708
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Der Kölner Karneval hat viele Gesichter – in doppeltem Sinne des Wortes. Eigentlich sind es vor allem die Gesichter, die hier die Hauptrolle spielen. Der Kölner Karneval spiegelt sich nicht in erster Linie in Kostümen oder Masken, vielmehr zeigt er seine schönsten Seiten im Mienenspiel der bemalten Gesichter.

Bei den Fotografen, von der Kunstfotografie bis hin zum Bildjournalismus, ist daher vor allem das »Gesicht in der Menge« Hauptmotiv des Karnevalbildes. Auch dieses Foto von Chargesheimer trifft in seinem Motiv diese Wahl. Man sieht im Vordergrund hauptsächlich fünf feiernde Personen. Vor allem nimmt man jedoch ihre Gesichter wahr. Die Maskierten ziehen tanzend quer zum Straßenverlauf von links nach rechts durchs Bild. Dies mag dem Zufall des Augenblickes entspringen, in welchem das Bild entstand, für die Bildwirkung ist es jedoch entscheidend. Es entsteht eine Barriere gegen den Sog der Straßenflucht. Zusammen mit der »Nahsichtigkeit« der Aufnahme wird der Betrachter dadurch unmittelbar in das Geschehen hineingezogen. Die Bewegung der Gruppe, welche rechts wieder ins Bild zurückzugehen scheint, tut hierzu ihr übriges. Neben der in ihrem »Vor« und »Zurück« fast geometrisch strengen Anordnung der Personen ist vor allem der gewählte Bildausschnitt für die Wirkung dieser am Karnevalssonntag 1956 entstandenen Aufnahme von Bedeutung. Viel mehr Raum als die Personen nimmt hierbei die Architektur der Straßenbebauung ein. Zwei Drittel der Bildhöhe werden durch die unterschiedlichen Grautöne der Architektur bestimmt. Die in der nebeligen Ferne sichtbare Silhouette des Saturnhochhauses in der Bildmitte bildet so etwas wie eine »Rückwand« im Bild.

Das Geschehen, welches sich vermutlich auf einem Abschnitt der Kölner Ringe abspielt, wirkt wie in einen gewaltigen Raum oder auf einen großen innerstädtischen Platz verlegt. Je mehr Details beim Betrachten bewusstwerden, umso lebendiger wirkt die Szene: Der Tanz wird mit Musik untermalt. Man erkennt bei der zweiten Person von rechts eine »Dicke Trumm«. Die angeschnittene Person rechts außen hat einen »Quetschebüggel«. Rechts stehen die Zuschauer*innen am Rande des Umzuges. In der mittleren Bildebene erkennt man die Aufbauten von Karnevalswagen. Von dort schaut eine mittelalterlich gekleidete Frau den Betrachter an. Es ist eines der schönsten Karnevalbilder des 1972 gestorbenen Kölner Fotografen Chargesheimer, der mit bürgerlichem Namen Carl Heinz Hargesheimer hieß.

 

T. Nagel

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Index

Jahrhundert
20. Jh.
Institut
Museum Ludwig
Künstler*in
Chargesheimer
Gattung
Photographie
Motivik
Karneval
Autor*in
T. Nagel

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