Frau Szwast, woher kommt Ihr Engagement in Sachen Energie und Klimaschutz?
Das begann im Privaten, als ich anfing, mehr darüber zu lesen und zu überlegen: Wie kann ich dem Klimawandel persönlich etwas entgegensetzen? Es ist ja fraglos ein komplexes Thema und eines, das einen angesichts der Berichte und Prognosen überwältigen kann. In Gesprächen mit anderen stellte sich dann schnell heraus, dass das Thema auch hier im Museum viele bewegt, und die Frage wurde diskutiert: Was können wir tun? So kamen immer mehr Rückmeldungen von Kolleg*innen, die Ideen haben und Lust, sich im Museum Ludwig mit zu engagieren.
Ein guter Anfang. Wie ging es dann weiter?
Wir haben gemeinsam überlegt: Wie stehen wir aktuell da, und was können wir in Zukunft besser machen, Schritt für Schritt? Zum einen ist da das Gebäude. Nehmen wir als Beispiel den Energieverbrauch. Uns ist klar, dass der riesig ist – Strom, Licht, Klimaanlagen und so weiter. Ein Museum ist einfach ein Riesenunternehmen, und unser Haus stammt aus den 1980er-Jahren. Aber wir sind guten Willens, und einiges wurde bereits angegangen: Die Beleuchtung ist inzwischen fast komplett auf LED umgerüstet, was unseren Stromverbrauch erheblich reduziert. Ein Glück ist ja auch, dass wir als Tageslichtmuseum im Sommer überhaupt nur 50 Prozent künstliche Beleuchtung benötigen.
Dann stellte sich die Frage: Woher kommt unser Strom eigentlich? Als Museum der Stadt Köln sind wir gebunden an die Rahmenverträge der Stadt. Momentan setzt sich unser Strom zu 40 Prozent aus erneuerbaren Energien und zu 60 Prozent aus Kraft-Wärme-Kopplung zusammen – immerhin, aber das würden wir gerne noch steigern. Unser Direktor Yilmaz Dziewior hat sich ja gemeinsam mit anderen Museumsleitungen in einem offenen Brief an Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, für den Klimaschutz ausgesprochen. Gegenüber der Stadt Köln formulierte er unseren Wunsch, dass die Ausschreibungskriterien bei nächster Gelegenheit lauten sollen: 100 Prozent erneuerbare Energie. Das würde unsere CO2 -Bilanz erheblich verbessern. Und wir wären damit in Köln nicht einmal Vorreiter: Das Kolumba – Kunstmuseum des Erzbistums Köln bzw. das Erzbistum Köln und auch das Schokoladenmuseum haben das schon umgesetzt. Dieses Beispiel zeigt aber auch, dass Umstrukturierungen für mehr Nachhaltigkeit nicht immer leicht und schnell zu machen sind. Für die Stadt Köln gibt es aber eine Klimaschutzbeauftragte, die wir treffen werden, um zu erfahren, wie wir weitermachen können. Wir brauchen Fachleute.
Ein anderer Punkt ist unsere tägliche Arbeit. Plakate und die begleitenden Publikationen zu unseren Ausstellungen im Fotoraum werden seit Kurzem auf Recyclingpapier gedruckt. Die Preise hier sind, wie übrigens auch beim Strom, mittlerweile absolut vergleichbar mit den weniger nachhaltigen Produkten.
Der Kunst- und Museumsbetrieb an sich glänzt ja nicht unbedingt mit einer guten Umweltbilanz?!
Nein, dessen wird man sich in Deutschland mehr und mehr bewusst. Im angloamerikanischen Raum gibt es schon länger eine Bewegung für »grünere Museen«. In den Serpentine Galleries in London wurde kürzlich eigens eine Kuratorin für »General Ecology« eingestellt. Im Grunde gibt es nichts, was nicht noch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit überdacht und verbessert werden kann – auch was die Ausstellungen betrifft. Schon als Volontärin ist mir aufgefallen, wie viel Material da verbraucht wird – ständig wurden neue Wände gebaut, Vitrinen, Rahmen. Und vieles danach mangels Lagermöglichkeit einfach weggeschmissen! Jetzt achten wir verstärkt darauf, dass wir uns unter Kurator*innen bei der Planung besser absprechen, welche Wände wir etwa mehrfach für kommende Ausstellungen verwenden können, damit wir effektiver zusammenarbeiten, auch die Kölner Museen untereinander tauschen sich aus. Das ist erfreulich.
Wer hinter die Kulissen großer Ausstellungen geschaut hat, weiß: So kann es nicht weitergehen, wenn wir als öffentliche Institution eine Vorbildfunktion einnehmen wollen. Vieles ist einfach Usus geworden, und wir beginnen, es zu hinterfragen. Müssen wir zu diesem Treffen wirklich ans andere Ende der Welt jetten, oder genügt ein Skype-Anruf? Wie viele Ausstellungen pro Jahr brauchen wir, um interessant zu bleiben? Schließlich ist ja ein Museum per se ein Ort der Nachhaltigkeit, es geht um das Sammeln, das Bewahren, Erforschen und Vermitteln. Wie können wir Kunst zeigen, uns vernetzen und global agieren und dabei unseren Verbrauch an Ressourcen drosseln? Das ist die große Frage, die viele beschäftigt und beschäftigen muss, wenn wir Lösungsansätze finden wollen. Nur, das kann niemand allein beantworten. Dafür wird es auch staatliche Unterstützung brauchen.
Vielleicht sollte auch die Kunst eher virtuell erlebbar gemacht werden?
VR-Brillen können Dinge vermitteln, sind aber meines Erachtens kein Ersatz für das physische Erleben von Objekten: Analoge Kunst ist Material und kann nur so erfahren werden, in der Präsenz. Spannender finde ich solche Ansätze, wie es in den USA schon mehr gemacht wird, wo Besucher*innen nicht nur Einblick bekommen in das, was aktuell im Museum hängt, sondern sich in einem Vorlageraum einzelne Objekte aus der Sammlung zeigen lassen können, die vielleicht noch nie gezeigt wurden. Könnten wir das gemeinsam mit der Kunstvermittlung, dem Museumsdienst Köln, ausbauen – eine Personal- und Geldfrage –, wäre es eine weitere ressourcenschonende Möglichkeit, Kunst erfahrbar zu machen, denn wir haben ja so vieles im Depot.
Kann Kunst denn die Welt retten?
Ich hoffe einfach, wir Menschen können die Welt so erhalten, dass sie lebenswert bleibt für die, die nach uns kommen. Jede Generation wünscht sich das wohl und arbeitet dafür, nur die Themen verändern sich eben. In den letzten Jahrzehnten rückte der Klimaschutz in den Fokus. Kunst kann uns sensibilisieren, unsere Wahrnehmung schärfen, kann vielstimmige Diskussionen eröffnen und Fragen stellen. Ohne dass Kunst instrumentalisiert werden soll, kann das Museum doch ein Ort sein, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam mit anderen nachzudenken. Das erleben wir immer wieder. Und wir haben dafür ja fantastische Mittel an der Hand: öffentliche Räume, Menschen, die neugierig sind, sich Zeit nehmen für Erfahrungen und Reflexion. Ein Bild, das wir kürzlich erwerben konnten, wurde tatsächlich zu einer Ikone der Umweltbewegung der 1970er-/1980er-Jahre. Es ist eine Fotografie der NASA, 1969 von der Apollo 11 aus aufgenommen. Wir sehen die Weltkugel im dunklen Universum. Die große »Mutter Erde« plötzlich so klein, als könnten wir sie in die Hand nehmen. Wenn man das Bild betrachtet, denkt man nicht an Ländergrenzen wie vielleicht noch, wenn man einen Globus dreht, sondern daran, dass sie unsere gemeinsame, existenziellste Lebensgrundlage ist.