Die Zukunft schimmert bunt, kommt als Pulver oder schwarzer Klumpen daher. Die Rede ist von 17 heiß begehrten Metallen, die tief in der Erde schlummern – Rohstoffe, die für viele unverzichtbar und zurzeit noch der wichtigste Schlüssel zur nachhaltigen Energiegewinnung sind: Die sogenannten seltenen Erden stecken dank ihrer wertvollen Eigenschaften schon heute in unseren Handys, Computern und Halbleitern. Aber auch in Elektromotoren und Windturbinen. Entdeckt wurde der heutige Hightech-Rohstoff erstmals vor 150 Jahren in der schwedischen Provinz. »Vitamine der Industrie« nennt man sie in Japan. Klingt gesund, sorgt in einer globalisierten Welt aber für politischen und ökologischen Zündstoff. Alle wollen die seltenen Metalle, aber möglichst zum Schleuderpreis. So schert man sich beim Abbau der zukunftsweisenden Energieträger meist wenig um das Thema Nachhaltigkeit. Die Menschen, die in den Minen arbeiten, werden ausgebeutet, Natur und Bevölkerung in Abbaugebieten wie China, Brasilien, Australien und Malaysia leiden unter gravierenden Nebenwirkungen: unter gefährlichen Rückständen in Luft, Boden und Trinkwasser.
Da klappert das Mahlwerk am rauschenden Bach, dort hält der Wind, das himmlische Kind, die Windmühlenflügel in Schwung. Die Luft ist regenschwer, Wolkengebirge türmen sich dramatisch auf, bis die strahlende Sonne das Grau durchbricht. Im Grunde ist ein Besuch im Wallraf-Richartz-Museum ein Gang durch die erstaunliche Welt der erneuerbaren Energien. Auch der 1848 in Paris geborene Gustave Caillebotte widmet sich in seinem Gemälde im übertragenen Sinne der Windkraft – einem ihrer weniger spektakulären, aber beileibe nicht unwichtigen Einsatzgebiete: Er malt zum Trocknen auf gehängte Weißwäsche, flatternd, vom Winde bewegt, an einer Leine aufgereiht zwischen Bäumen an der Uferpromenade der Seine. Auch beim Malen selbst gibt sich der vom französischen Impressionismus geprägte Caillebotte naturnah und nachhaltig. Dem eher unhandlichen Leinwandformat von 106 × 150 cm zum Trotz entstand sein Bild nicht im Atelier, sondern inmitten der Natur: Bei detektivisch genauen Untersuchungen ließen sich in den Farbschichten kleinste Steinchen und Blatthülsen nachweisen, zudem eine Pappelknospe, sehr wahrscheinlich von einem der Bäume, die dem Künstler Modell standen.
Wasser macht erfinderisch: Um das römische Köln und die dort lebenden Menschen mit dem lebenswichtigen Nass zu versorgen, gelang zwischen Eifel und der CCAA (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) um das Jahr 80 n. Chr. ein bautechnischer Kraftakt. Eine Meisterleistung – gemauert, aus antikem Beton gegossen, unterirdisch oder in schwindelnder Höhe über Brücken geführt: Mit einer Länge von fast 100 Kilometern gilt die heute oftmals Römerkanal genannte Leitung als das größte antike Bauwerk nördlich der Alpen und brachte über zwei Jahrhunderte täglich 20 Millionen Liter Frischwasser in die Colonia. Mithilfe von Rohrsystemen gelangte es vom Reservoir über ein weit verzweigtes Netz von Druckwasserleitungen an sein Ziel – in die einzelnen Stadtviertel, zu den Straßenbrunnen, in die Ther men, aber auch direkt in einige Privathäuser. Ein eigener Wasseranschluss war ein kostspieliger Luxus, den sich nicht alle leisten konnten. Von den ehemaligen Leitungen ist nur wenig erhalten – Bleirohre, aber auch dieser massive Absperrhahn aus Bronze, der aus derselben repräsentativen römischen Stadtvilla stammt, in deren Überresten man 1941 das weltberühmte Dionysos-Mosaik entdeckte.
»Was ist das alles, Bild, Farbe, Licht, Vibration, reine Energie? Leben. Leben in Freiheit«, schrieb Otto Piene 2014 aus Anlass seiner Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Am Tag nach der Vernissage war der Mitbegründer der Kunstbewegung »ZERO« tot, verstorben mit 86 Jahren in einem Hauptstadttaxi. Nach grausamen Kriegserfahrungen wollten Piene und seine Mitstreitenden den radikalen Bruch und Neuanfang, auch in der Kunst. So fackelte er seit 1966 in seinem Düsseldorfer Atelier Leinwände ab. In den Räumen einer ehemaligen Möbelfabrik experimentierte er hingebungsvoll – und nicht gerade nach den strengen Regeln des Brandschutzes – mit offenem Feuer: Erst trug Piene die Farbe auf, zündete das Werk mittig an und bewegte die Leinwand, auf dass sich die Flammen in die gewünschte Richtung fraßen. Extrem entscheidend: der richtige Moment, das Feuer zu löschen. Wie in einer Zeitkapsel ist Pienes legendäres »Feueratelier« bis heute erhalten und zu besichtigen: die Decke schwarz von Ruß, Berge von Streichhölzern, Batterien von Buntlacksprühflaschen auf dem Boden und seinem Arbeitstisch, wie der Künstler ihn verlassen hat. An der Wand lehnt ein noch unvollendetes Gemälde, wahrscheinlich eines seiner letzten – ein gelbes Feuerbild mit schwarzer Sonne.