In Holland wird gepoldert

Design mit Ansage

Kreatives Design aus den Niederlanden steht weltweit hoch im Kurs. Ungewöhnliche, progressive Ansätze, große formale Gesten und selbstbewusste Farbkompositionen prägen die Gestaltung aus dem Nachbarland. Es gibt einen Begriff, der vielleicht erklärt, warum Dutch Design so erfolgreich ist: Poldern. Damit bezeichnet man in Holland die gemeinsame Suche nach Lösungen.

Foto von einem Stuhl mit weißer Sitz- und Lehnfläche

Gerrit Thomas Rietveld (Entwurf), G. A. van de Groenekan (Ausführung), Military Chair, 1923–1925, MAKK, Stiftung Prof. Dr. R. G. Winkler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken, rba_d027912

Die Bereitschaft zum offenen Dialog macht einzelne Bereiche wie Design, Architektur und Kunst durchlässiger. »Interdisziplinäres Arbeiten und Teamwork stehen in Holland im Vordergrund. Mit dem Denkansatz: gemeinsam mit verschiedenen Partnern ein besseres Projekt zu schaffen«, erklärt Markus Sporer vom deutsch-niederländischen Architekturbüro CROSS Architecture. Eine Haltung mit Tradition. Schon um 1920 hatten sich Künstler, Architekten und Designer in der Gruppe De Stijl gemeinsam formiert. De Stijl formulierte Ideen für eine Ästhetik, die übergreifend für alle Gestaltungsdisziplinen anwendbar sein sollte. Davon inspiriert, trat in den 1990er-Jahren das Designkollektiv Droog ins Rampenlicht und löste einen internationalen Designhype aus. Droogs Fokus galt jenen Themen, die die Gesellschaft betreffen. Mit einem radikal anti-diziplinären Designprozess als Schlüssel.

In der Dauerausstellung Design des Museums für Angewandte Kunst Köln werden Gestaltungsansätze aus dem Nachbarland anhand herausragender Exponate von De Stijl bis Droog erlebbar. Die Präsentation »Kunst + Design im Dialog« stellt die Disziplinen in den unmittelbaren Vergleich. Der Military Chair des De-Stijl-Architekten und -Designers Gerrit Thomas Rietveld etwa, den er für das katholische Militärheim in Utrecht entwickelte und damit im Bereich des Möbeldesigns konstruktive und gestalterische Zeichen setzte. Ästhetische Parallelen dazu werden in den Kunstwerken von Werner Graeff mehr als deutlich. Ein deutscher Künstler, Autor und Erfinder, den als Bauhaus-Studenten die Grundsätze von De Stijl derart überzeugten, dass er Mitglied der Bewegung wurde. Mit seinen Texten im Magazin De Stijl förderte er zudem eine lebhafte Diskussionskultur.

Text: Kathrin Spohr