Wenn zwischen feierlicher Ankunft am Flughafen, rotem Teppich und Staatsbankett jene kleinen (gelegentlich auch größeren) Aufmerksamkeiten ausgetauscht werden, dann steckt meistens Methode dahinter: Geschenke lockern nicht nur die Stimmung, im Idealfall erfreuen sie den Beschenkten, sie liefern persönlichen Gesprächsstoff abseits von Protokoll und drögem Tagesgeschäft. Letztlich aber hat jedes hochoffizielle Gastgeschenk einen tieferen Sinn – es sagt eine Menge über die Schenkenden selbst, die Beschenkten und über das Verhältnis zueinander aus.
Zurück zur Hi-Fi-Compact-Anlage: Deutschland pflegt sein Image als moderne Industrienation, so überreicht man – zumindest unter den Bundespräsidenten Scheel und Carstens – vornehmlich technisches Gerät: Stereoanlagen, Fernseher oder Fotoapparate. Dagegen mutet so manches Präsent außereuropäischer Staatsbesucher eher folkloristisch an oder schrammt haarscharf am Kitsch vorbei. Bedient es doch die Klischees, die wir beispielsweise mit dem afrikanischen Kontinent verbinden: Das Löwenfell (unausweichlich) steht für die geheimnisvolle Heimat wilder Tiere, eine Schlitztrommel (naheliegend) für rhythmische Klänge und ausgelassenen Tanz, die Frauenbüste (natürlich) für minimal bekleidete Körper in sengender Sommerhitze.
Doch manchmal sind genau diese auf den ersten Blick stereotypen Geschenke durchaus mit Bedacht gewählt – wenn ein Staatschef seinen Gastgeber zum Beispiel für eine Aufstockung der Entwicklungshilfe erwärmen möchte. Und auch für die exotischste Gabe findet sich unter Deutschen noch eine praktische Verwendung: So verschwindet dereinst die Sitzgruppe aus Togo nicht etwa im Depot oder in einer Schauvitrine des Rautenstrauch-Joest-Museums, sondern dient – üppig mit Palmen ausstaffiert – den Besucher*innen lange Zeit als Sitz- und Ruhemöglichkeit.
Maske, vermutl. Kanada, ca. 1. Hälfte der 1980er-Jahre, Geschenk an Karl Carstens, vermutl. von Edward Richard Schreyer im Mai 1983 © Rheinisches Bildarchiv Köln, Patrick Schwarz