Bei einem dieser beiden Ringe handelt es sich um ein Schmuckstück aus schwarzem Gagat (ein fossiles versteinertes Holz, auch »Jett« genannt) mit verbreiterter Ringplatte, die durch horizontale Rillen in vier Abschnitte geteilt ist. In diese Abschnitte sind untereinander die Worte eines lateinischen Spruches eingraviert: ESCIPE / SI AMAS / PIGNVS / AMANT. Dies bedeutet übersetzt: Nimm, wenn du (mich) liebst, das Liebespfand (oder auch: das Pfand des Liebenden). Der Ring gehört also zu den Geschenken, mit denen ein verliebter Mensch um Gegenliebe warb. Die Art dieser »Werbegeschenke« konnte vielfältig sein. Nicht immer dienten dazu Schmuck wie Finger- oder Armringe und Gewandspangen (Fibeln), sondern auch Lampen, Trinkgläser, Esslöffel, Schreibgriffel oder sogar Kuchen aus entsprechend gestalteten Backformen – alle einschlägig beschriftet.
In der Formulierung der Inschriften schwingt oft auch die womögliche Ablehnung der Liebesgabe mit – wenn du mich liebst. So konnte das Geschenk begründet zurückgewiesen werden und für den Zurückgewiesenen war die Sache nicht so unangenehm, denn er wahrte sein Gesicht.
Straße, aus einem Grab der römischen Begräbnisstätte
AMO TE MERITO trägt der zweite Fingerring als Aufschrift auf der Außenseite der goldenen acht eckigen Ringschiene. Dieser Spruch wird zumeist mit »Ich liebe dich, so wie du es verdienst« übersetzt. Dies ist eine eher zweideutige Aussage. Mit guten Argumenten kann man jedoch auch folgendermaßen und eindeutiger übersetzen: Ich liebe dich aus gutem Grund oder Ich liebe dich mit Fug und Recht.
Der goldene Ring hat einen Durchmesser von 1,9 Zentimetern und wird daher einer Frau gehört haben. Das Schmuckstück war sicher ein Geschenk, das eine bereits bestehende Liebesbeziehung bekräftigen sollte; wir wissen jedoch nicht, ob anlässlich einer Hochzeit oder einer anderen Gelegenheit.
Auch Schreibgriffel mit Aufschriften erfreuten sich in römischer Zeit als Präsent großer Beliebtheit. Ein schön verzierter Bronze-Griffel im Römisch-Germanischen Museum trägt auf vier Kanten des Gerätegriffs den folgenden Spruch: HEGO / SCRIBO / SINEM / MANVM – Ich schreibe ohne Hand. Ob es sich bei dem Griffel um ein Liebesgeschenk handelt, ist nicht sicher. Denn der mehrdeutige Spruch auf vier Kanten des Gerätegriffs spricht nicht von Liebe und gibt uns heute Rätsel auf. Auf jeden Fall war er aber ein persönliches Geschenk mit großer Nähe zum Beschenkten. Denn dieser wird es oft zum Schreiben in die Hand genommen haben, um vielleicht auch eine Liebesbotschaft – nicht zu Papier zu bringen, sondern in eine Wachstafel zu ritzen. Gefunden wurde der Griffel an einem äußerst prominenten Ort in Köln, an der Ostseite des Domes in den Ruinen des römischen Gebäudes mit dem frühchristlichen Baptisterium.
Das Römisch-Germanische Museum (RGM) zählt mit seinen Sammlungen aus 100 000 Jahren Menschheitsgeschichte und 2 000 Jahren Stadthistorie zu den bekanntesten archäologischen Museen Deutschlands. Während der Generalsanierung des Gebäudes am Roncalliplatz zeigt das RGM im Belgischen Haus in Neumarkt-Nähe eine Ausstellung zu den spannendsten Themen der antiken Stadtgeschichte Kölns. Und macht als einziges städtisches Haus mit Montagsöffnung auch den Montag zum Museumstag.