Zu guter Letzt - Nähe

Zeppeline am Dom

Am 5. August des Jahres 1909 fiebert ganz Köln einem besonderen Besucher entgegen: »D’r Graf kütt!« – in seiner schwebenden Zigarre! Als gegen Mittag der mit 136 Metern seinerzeit größte Zeppelin LZ 5-Z II am Horizont erscheint, hält die Rheinmetropole den Atem an. Auf den Brücken, den Straßen und Dächern der Stadt stehen die Menschen dicht an dicht. Alles blickt gebannt zum Himmel, wo das Luftschiff zum Klang der Kaiserglocke Ehrenrunden um Dom und Rathaus dreht. Am Ruder der Konstrukteur persönlich: Graf Ferdinand von Zeppelin. Nach dessen Landung an der Luftschiffhalle Bickendorf von weit über 100 000 Neugierigen gefeiert, wird auch ein Autokorso in die Innenstadt zum Triumphzug. An den Empfang des Grafen im Offizierskasino erinnert heute die Zeppelinstraße, ehemals Standort der Kaserne am Neumarkt. Die Luftfahrt-Begeisterung kennt seinerzeit keine Grenzen: Im selben Jahr präsentiert die Firma Franz Clouth, Rheinische Gummiwarenfabrik Cöln-Nippes, eine flugerprobte Konstruktion auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Frankfurt. Der Traum vom lautlosen Gleiten beflügelt die Fantasie der Zeitgenossen – eine spektakuläre Vision dokumentiert diese Postkarte aus der Sammlung des Dombauarchivs: Die Türme der Kathedrale, umbaut von einer stählernen Ankunfts- und Abfahrtsstation für Zeppeline als Verbindung zwischen Berlin – Cöln – Basel. Die weite Welt scheint plötzlich ganz nah. Mehr zur Kölner Luftfahrtgeschichte gibt es online zu entdecken: www.luftfahrtarchiv-koeln.de

Text: Rüdiger Müller