Was machen Museen eigentlich am Montag?

Kinder fragen – Museumsleute antworten

Kinder wollen immer alles wissen: »Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.« Hier beantworten Kolleg*innen aus den Kölner Museen einige der Fragen, die sicher nicht nur dem neugierigen Nachwuchs auf den Nägeln brennen.

Foto von Joseph Beuys mit einem Klinkind im Hintergrund.

Liselotte Strelow, Prof. Joseph Beuys, 1967, Museum Ludwig, Köln, © VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Repro: RBA Köln, rba_d044186

Was machen Museen eigentlich am Montag?

Wie schon Hollywood wusste, ist »Nachts im Museum« so einiges los. Anders als in den drei Spielfilmen aus der Traumfabrik, in der die Objekte zum Leben erwachen, sind es montags, wenn die Gäste draußen bleiben, die Museumsteams, die das Haus zum Leben erwecken. Das sogenannte Putzlicht geht an und die Heinzelmännchen beginnen mit ihrer Arbeit – die Sammlungspflege beginnt. Am Schließtag bietet sich die Chance, Vitrinen nicht nur von außen, sondern auch einmal von innen zu reinigen, vor allem aber Objekte auszutauschen. Hängeteams und Restaurator*innen sorgen für den Wechsel von Kunstwerken an der Wand oder im Raum, die Haustechnik wartet Klimaanlagen oder Beleuchtung, IT-Personal sorgt für Updates von Medienstationen, die Bildungsabteilung ergänzt zusammen mit dem Hausmeisterteam die Objektbeschriftungen, Fachpersonal sorgt für Reparaturen oder Ausbesserungen. Außerhalb der Ausstellungsräume werden die Shops neu bestückt, die Kassensysteme gewartet und die Foyers gereinigt. Und einen Tag später ist alles wieder bereit für die Museumsgäste. Allerdings ist nicht jedes Museum montags geschlossen – auch in Köln nicht. Manches Haus schließt am Dienstag. Der Kompass in der Heftmitte listet alle Öffnungszeiten auf.

Matthias Hamann, Direktor Museumsdienst Köln

Wie wird man Museumsdirektor*in?

Auf diese Frage wird jede Museumsleitung mit einer ganz anderen, ganz eigenen Geschichte antworten! Bei mir war es so: Ich habe Kunstgeschichte studiert und meine Abschlussarbeit über Käthe Kollwitz geschrieben. Eigentlich wollte ich Journalistin werden. Doch damals wurde unser Museum gerade gegründet, ich habe mich beworben und durfte von Anfang an mitarbeiten. Ich war noch sehr jung, als ich 1990 gefragt wurde, ob ich die Leitung übernehmen möchte. Man hat mir offenbar vertraut und mir die Aufgabe zugetraut! So hat sich alles wunderbar gefügt. Inzwischen bin ich seit fast 32 Jahren Direktorin des Käthe Kollwitz Museums Köln, und die so abwechslungsreiche Arbeit macht mir immer noch sehr viel Freude.

Hannelore Fischer, Direktorin Käthe Kollwitz Museum Köln

Warum sind die Wände meistens weiß?

Weiße Wände sind eigentlich langweilig. Warum man in Museen und Galerien trotzdem die Wände meistens weiß streicht, hat folgenden Grund: Farben – auch die in Kunstwerken – wirken unterschiedlich, je nachdem, welche Nachbarfarbe sie haben. Das kann man selber ausprobieren, wenn man zu einem einfarbigen Kleidungsstück verschiedene andersfarbige anzieht. Eine rote Hose z.B. wirkt zu einem schwarzen T-Shirt ganz anders als zu einem grünen. Das beachten die Künstler*innen auch, während sie die Farbkompositionen für ihre Kunstwerke schaffen. Wenn man die Kunstwerke nun auf farbigen Wänden zeigen würde, würde das auch die Stimmung im Kunstwerk verändern. Manche Farben würden dadurch leuchtender, andere weniger kräftig wirken. Damit man im Museum oder in der Galerie den Künstler*innen nicht ins Handwerk pfuscht, zeigt man Kunstwerke meistens auf weißen Wänden, denn die beeinflussen die Farben auf den Bildern am wenigsten.

Astrid Bardenheuer, Leiterin artothek – Raum für junge Kunst

Gibt es hier (in Köln) Dinoknochen?

An vielen Orten der Welt kann man Dinosauriererknochen finden, wenn man nur tief genug gräbt. Allerdings klappt das nicht im eigenen Garten und nicht mit der Schaufel! Ob unter Köln noch Dinoknochen liegen, weiß keiner so genau. Köln hat zwar kein naturkundliches Museum mehr, doch es gibt verschiedene Spezialmuseen. So sind beispielsweise im Geomuseum eindrucksvolle Fossilien aus der Dinosaurierzeit zu betrachten. Und wer jetzt neugierig geworden ist, wie ein Dinosaurier ausgesehen hat, kann im ODYSSEUM einen lebensechten Vertreter kennenlernen. Unsere Mitbewohnerin Trexy bringt große und kleine Besucher*innen zum Staunen. Der realistisch nachgebildete T-Rex im Dschungelraum des Abenteuermuseums ist schon seit 12 Jahren bei uns zuhause.

Susanne Göllner, Head of Corporate Communication, ODYSSEUM Abenteuermuseum

Wieso darf ich das nicht anfassen?

Vielleicht ist euch schon einmal aufge fallen, dass in unseren Museen Bilder, Figuren, Gegenstände usw. unter einer Glashaube oder hinter einer Absperrung gezeigt werden. Warum ist das so? Viele dieser Objekte sind sehr alt; sie sind selten oder sogar einmalig, so dass sie besonders geschützt werden müssen. Neben zu viel Licht und Feuchtigkeit kann ihnen vor allem ständiges Anfassen schaden. Sie können dabei zerbrechen oder aber ihre Farbe verlieren. Auch wenn wir unsere Hände noch so gründlich waschen: Immer finden sich an unseren Fingerspitzen winzige Schweißperlen, die Salze und Säuren enthalten. Damit schützen wir unsere Haut – für all die wertvollen Gegenstände aber sind sie wie Gift, das sie zerstören kann. Deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln im Museum: »Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten.«

Peter Mesenhöller, Museumsdienst, Leitung Bildung und Vermittlung für das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt

Ist das alles Kunst? Das ist doch alles gar nicht gemalt ...

Die Dinge, die unseren Alltag bequemer, schöner und angenehmer machen, haben für uns im Wesentlichen einen persönlichen Wert. Dieser lässt sich oft an seiner Geschichte festmachen: das Kaffeeservice der Großmutter, der Sessel des Vaters, unsere erste Computermaus. Im MAKK finden wir aber Alltagsobjekte von höchstem künstlerischen Wert, die uns nicht nur über den Zeitgeschmack und den Stand der Technik viel verraten, sie führen uns auf Gedankenreisen zu Künstler*innen und Besitzer*innen, selbst die Materialien und Handelswege, die Formen und Farben erzählen ihre Geschichte. In all diesem Reichtum, der Fülle, können wir uns spiegeln, unseren Geschmack bilden, alte »Bekannte«, wie die Computermaus, wiederfinden und sogar ab und an ein Gemälde in neuem Zusammenhang betrachten.

 

Eva Schwering, Museumsdienst, Leitung Bildung und Vermittlung für das MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln

Wie teuer ist das Bild? Kann ich das kaufen?

Ja, es gibt Bilder von Käthe Kollwitz, die man kaufen kann – und manchmal sind sie gar nicht so teuer! Dann ist es wahrscheinlich eine späte Druckgrafik, von der es oft mehrere Exemplare gibt. Zeichnungen, also Einzelstücke, kosten sehr viel mehr. Man kann Bilder von Käthe Kollwitz zwar nicht im Museum, aber gelegentlich aus Privatbesitz erwerben, meistens werden die Werke aber auf Auktionen oder in Galerien angeboten. Im Gegensatz zu anderen Künstlerinnen, die zur selben Zeit gelebt haben, wird ihre Kunst derzeit sehr hoch gehandelt, denn es gibt immer mehr Menschen auf der ganzen Welt, von China bis in die USA – nicht nur große Museen, sondern auch Privatpersonen –, die sich für Käthe Kollwitz begeistern.

Kerstin Schubert, Museumspädagogin Käthe Kollwitz Museum Köln

Wo habt ihr das alles her

Sammeln geht im Museum wie zuhause. Man kann nicht alles auf einmal sammeln, sondern muss überlegen, was man am liebsten mag. Einige Objekte hat man schon, dann kommen nach und nach weitere dazu. Man sucht, was man bisher noch nicht hat oder noch nicht so schön. Am Ende sollen nicht lauter ganz ähnliche Dinge nebeneinanderstehen, sondern eine interessante Mischung. So machte das der alte Domherr Alexander Schnütgen, der seine große private Sammlung mittelalterlicher Kunst 1906 der Stadt Köln geschenkt hat. Er war sehr charmant und bekam vieles besonders günstig. So ähnlich machen es die Kurator*innen im Museum bis heute. Manchmal bekommen sie etwas geschenkt, und manchmal gibt es Freunde des Museums, die für die finanziellen Mittel sorgen, um im Kunsthandel ein besonders kostbares Werk zu kaufen.

Moritz Woelk, Direktor Museum Schnütgen

Was passiert, wenn ich die Skulptur umschubse?

Dann müssen wir die verantwortliche Person bitten, uns die Personalien vorzuzeigen, und notieren diese fürs Protokoll, damit die Restaurierungsabteilung die Schadensmeldung bearbeiten kann. Gleichzeitig werden wir die Restaurierung an den Ort bestellen, an dem es passiert ist, damit sie die beschädigte Skulptur mit in die Werstatt nehmen. Wenn der Vorfall an einem Wochenende passiert, informieren wir die Restaurierung per E-Mail mit Kontaktdaten und Fotos. Danach kehren wir zurück zu unseren Überwachungsaufgaben …

Leonard Stoica, Objektleiter Sitec, Museum Ludwig

Warum darf man den Museumsgarten eigentlich nicht betreten?

Der fast quadratische Innengarten wurde vom japanischen Bildhauer und Gartenarchitekten Masayuki Nagare (1929–2018) für das »neue« Museumsgebäude entworfen. Er ist ein Naturkunstwerk und passt sich harmonisch in die Gesamtarchitektur des Museums und dessen Umgebung ein. Im Innengarten sehen wir anthrazitfarbene Felsen auf hellem Kiesgrund. Sie stellen Miniaturberge dar und bilden einen Kontrast zu dem aus einem großen Quellstein entspringenden Wasserlauf. Gemeinsam mit Ahornbäumen, Azaleen und immergrünen Büschen stehen Felsen und Wasser für die Elemente der Natur. Der Garten selbst ist ein »Kunstwerk« und soll als solches nicht betreten werden. Durch hohe Glaswände lässt er sich aber von allen Seiten gut betrachten und damit auch die Veränderungen der Pflanzen, der Farben und des Lichts, die mit dem Jahresverlauf zusammenhängen. Besonders eindrucksvoll ist das im Herbst und im Frühjahr!

Caroline Stegmann-Rennert, Museumsdienst Köln, Leitung Kunst- und Kulturvermittlung für das Museum für Ostasiatische Kunst Köln

Ist das alles echt hier?

Diese Frage ist gerade für die Kölner Domschatzkammer nicht ganz leicht zu beantworten. Da die hier ausgestellten Objekte seit Jahrhunderten und teilweise bis heute in der Liturgie verwendet werden, hat man sie immer wieder verändert: durch Reparaturen, aber auch durch nachträgliche Stiftungen. Ein Vorsängerstab von 1178 – eine Art Taktstock des musikalischen Leiters am Kölner Dom – zeigt das sehr gut. Erst rund 170 Jahre später erhielt er als Bekrönung eine Figurengruppe mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige. Goldschmiedearbeiten unterlagen dem Zeitgeschmack und dienten häufig als Rohmaterial für die Anfertigung neuer, modernerer Geräte. Für besonders verehrungswürdige Reliquien schuf man als Zeichen ihrer Wertschätzung oder um sie ausdrücklich hervorzuheben, gern neue Behältnisse. All das zeugt davon, wie lebendig der Domschatz war und ist. Auch die Materialien sind nicht unbedingt das, was sie zu sein scheinen. Was z.B. wie Gold wirkt, ist häufig vergoldetes Silber. Was wie Glas aussehen kann, ist manchmal Bergkristall.

Dr. Leonie Becks, Leiterin der Kölner Domschatzkammer

Habt ihr eine Mona Lisa?

Ja, haben wir – na, jedenfalls fast. Die wirklich echte »Mona Lisa« hängt ja in einem großen Museum in Paris, dem Louvre. Gemalt hat sie der der berühmte italienische Maler Leonardo da Vinci vor über 500 Jahren. Hier in Köln haben wir so etwas wie eine »kölsche Mona Lisa«: die »Muttergottes in der Rosenlaube«. Es ist das wundervolle Bild mit Maria, die das Jesuskind auf dem Schoß hält. Und drumherum viele kleine bunte Engel. Wie die »Mona Lisa« in Paris, so ist das Gemälde im Kölner Wallraf-Richartz-Museum das berühmteste Gemälde im Museum. Es ist sogar noch 60 Jahre älter als die echte »Mona Lisa«. Stefan Lochner hat es um das Jahr 1440 gemalt. Und er konnte großartig malen! Die vielen Kleinigkeiten sieht man am besten, wenn man sich das Bild im Museum anschaut. Kaum zu glauben, dass man das mit Pinsel und Farbe so hinbekommt. Also auf ins Wallraf – die »kölsche Mona Lisa« wartet auf Euch!

Marcus Dekiert, Direktor Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Warum muss man so tief graben, um alte Sachen zu finden?

Im Kölner Boden befinden sich Überreste aus 2 000 Jahren Stadtgeschichte. Man begrub seine Toten oft mit vielen Beigaben für das Leben im Jenseits. Sehr viele Funde stammen aus Gräbern, denn dort waren sie jahrhundertelang geschützt. In unsicheren Zeiten vergrub man Wertgegenstände und konnte sie nicht immer wieder bergen. Aber warum liegen römische und mittelalterliche Häuser so tief unter der Erde? Die Reste vergangener Zeiten lagern in Schichten übereinander: die ältesten ganz unten und die jüngsten ganz oben. So baute ein Römer vor 2 000 Jahren ein Haus, das brannte einige Zeit später nieder. Der Grundstücksbesitzer wollte dort wieder ein Haus errichten. Der Schutt des alten Hauses wurde nicht weggefahren, sondern planiert und verfestigt. Und darauf wurde dann das nächste Haus gebaut. Und so ging das immer weiter durch die Jahrhunderte. Der Boden wuchs in die Höhe. Das ist sehr gut am Dionysosmosaik zu sehen: Dieser Fußboden befand sich im Erdgeschoss eines römischen Hauses. Heute liegt er fast sechs Meter unter dem Roncalliplatz. In der Kölner Innenstadt haben sich im Laufe der Jahre also sehr viele Schichten übereinander angesammelt und die Archäologen müssen tief graben.

Kathrin Jaschke, Museumsdienst Köln, Leitung Kunst- und Kulturvermittlung für das Römisch-Germanische Museum

Wieso muss man im Museum immer leise sein?

Viele Menschen denken heute noch, dass es in Museen mucksmäuschen still sein muss. Keine Unterhaltung, kein Geflüster, absolute Stille. Aber das stimmt so nicht! Schon lange gilt nicht mehr, dass man Kunst und Geschichte nur in »aller Ruhe« verstehen kann. Vielmehr kommt es darauf an, eine tolle Zeit zu haben! Ein Museum vermittelt Wissen, aber auch Freude und ist ein Ort der Begegnung. Da kann es auch mal laut sein! Es gibt hier in Köln Museen, wo man Musik zu den Kunstobjekten komponiert, gemeinsam Lieder singt, Spiele spielt, Geschichten erzählt oder einfach den netten Museumsführer*innen lauscht. Da kann es schon einmal lauter werden. Aber eines gilt dabei immer: Man muss Rücksicht auf andere in der Ausstellung nehmen, denn nur dann haben alle Freude an ihrem Museumsbesuch!

İpek Sirena Krutsch, Museumsdienst Köln, Leitung für Bildung und Vermittlung am Kölnischen Stadtmuseum