Doch die Geschichte geht weiter. Das wachsende Interesse an Archäologie und den Römern motiviert auch den Bürgermeister der Gemeinde Üsdorf, Weygold, und den Gutsbesitzer Dapper aus Lövenich, gemeinsam weiterführende Ausgrabungen an jener Stelle zu finanzieren. Selbstverständlich nicht, ohne im Vorfeld die Aufteilung möglicher Funde zu vereinbaren.
Was schließlich zutage kommt, versetzt noch heute die Besucher*innen in Erstaunen: Unter dem Schutt der ein gestürzten Decke findet sich eine unterirdische römische Grabkammer, ausgestaltet wie ein Speisezimmer: drei Nischen mit Speisesofas und zwei aus Kalkstein nach gebildeten Korbsesseln. Dazu drei Porträtbüsten und die Überreste eines Sarkophags.
Noch im selben Jahr, 1843, werden die bedeutenden Funde von Roderich S. Schneider in einem Grabungsbericht veröffentlicht und zum Kauf angeboten. Bei einer Auktion gelingt es dem Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner ein Jahr später, sowohl die Grabkammer als auch Teile des Grundstückes und einzelne Funde für das Königreich Preußen zu sichern für einen Kaufpreis von 2 300 Talern. Zwirner lässt die Decke wieder aufbauen und einen Schutzbau errichten. Der Bewohner des benachbarten Wärterhauses ist fortan für die Aufsicht der Kammer zuständig. Damals wie heute – nur jetzt im Auftrag des Fördervereins Römergrab Weiden e. V.
Absoluter Blickfang in der Grabkammer ist der Sarkophag aus Carrara-Marmor, reich verziert mit Figuren, die die Jahreszeiten und die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod verkörpern. Ausgearbeitet sind nur die sichtbaren Seiten des Sarkophags, die Rückseite ist schlicht. Es stellt sich die Frage, ob der steinerne Koloss tatsächlich schon seit 2 000 Jahren an dieser Stelle steht. Die einhellige Meinung der Archäolog*innen: nein. Nachweislich wurde der Sarkophag 1843, in Stücke zerbrochen, entdeckt und wieder zusammengesetzt. Sein ursprünglicher Standort ist unbekannt. Aufgrund der figürlichen Darstellungen kann er aber recht gut datiert werden – auf die Zeit um 300 n.Chr. Als der Sarkophag also nach Weiden kam, existierte die Kammer bereits seit etwa 150 Jahren. Wahrscheinlich war das Prachtstück in früherer Zeit über der Kammer in einem oberirdischen Grabbau aufgestellt. Und damit von der Straße aus für jeden sichtbar.
Bleibt die Frage: Warum eine Grabkammer mitten im Nichts? Oder – wie sah es an diesem Ort in römischer Zeit aus? Die Aachener Straße existierte bereits in ihrem heutigen Verlauf als Fernstraße von Köln in Richtung Maastricht und weiter an die Atlantikküste. Zwar bestatteten die Römer ihre Toten außerhalb der Stadt entlang der großen Ausfallstraßen, aber diese Gräberfelder reichten nicht bis nach Weiden. Wer ließ sich hier also zur letzten Ruhe betten? Das Umland des römischen Köln war beileibe nicht unbewohnt, es gab kleine Dörfer und einzelne Gutshöfe, die die Stadt mit ihren Erzeugnissen belieferten. Auf jenen Gutshöfen waren auch die führenden Familien der Stadt zu Hause: die Gutbetuchten, die die städtischen Ämter bekleideten. Einige waren finanziell in der Lage, sich steinerne Grabbauten für die gesamte Familie zu leisten, die die Zeiten überdauerten und heute als Wunder römischer Zeiten bestaunt werden können.