Die Museen unterstützen. So funktioniert‘s

Platz da – für bürgerliches Engagement!

Interview mit Mayen Beckmann, Vorsitzende der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig

Mayen Beckmann, Vorsitzende der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig

Frau Beckmann, die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig unterstützt das Haus in vielfacher Weise. Was hat Sie persönlich zu Ihrem Engagement bewogen?

Die Institution Museum war schon immer meine Leidenschaft, insbesondere Bereiche wie die Erweiterung und Bewahrung der Sammlung, die anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Kunst. Dies ist auch die Mission unseres Fördervereins, insofern ist mein Engagement eine echte Herzensangelegenheit!

Warum brauchen Museen Menschen, die sie fördern und unterstützen?

Jede Institution braucht eine Lobby, um eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu haben. Aus dieser ideellen Form der Unterstützung ergibt sich dann alles Weitere.

Welche Aufgaben hat und welche Ziele verfolgt die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig?

Wir möchten die bildende Kunst am Museum Ludwig fördern – ideell und materiell. Generell setzen wir darauf, das Verständnis für zeitgenössische Kunst zu erweitern – übrigens auch unser eigenes –, beispielsweise durch öffentliche Gespräche und Vorträge nach dem Motto »Man sieht nur, was man weiß«. Materiell unterstützen wir das Museum in einem großartigen Miteinander mit unseren Mitgliedern – der jährliche Wolfgang-Hahn-Preis ist eine besondere Form des kollektiven Mäzenatentums. Über lange Zeit schon haben zudem einzelne Personen oder Gruppen jährliche Initiativen angestoßen, beispielsweise den »Jungen Ankauf«. Oder die »Perlensucher« (eine Gruppe, die wichtige Kunstwerke für die Sammlung des Ludwig aufspürt und deren Ankauf fördert). Und es ist wichtig, neue Wege des Ausstellens zu erproben – für das Museum aus dem Etat kaum möglich. Im Rahmen der Ausstellungsreihe »Hier und Jetzt« entsteht alljährlich eine Präsentation, die an den Grenzen der klassischen Museumsausstellung rüttelt und den Horizont erweitert.

Sie sind die einzige Enkelin und Erbin von Max Beckmann, einem der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts, haben Restaurierung und Kunstgeschichte studiert und eine Galerie für die Kunst des 20. Jahrhunderts geleitet. Beeinflusst das Ihren Blick auf die zeitgenössische Kunst und Ihr Engagement im Förderverein?

Bestimmt! Die Familiengeschichte bekomme ich natürlich nicht aus meiner DNA. Seit ich denken kann, ist meine Umgebung von Kunst geprägt. Dabei kam ich nicht umhin zu begreifen, wie wichtig die Institution Museum gerade für die Künstler*innen ist, dass deren Arbeiten dort im Kontext anderer Kunstschaffender sichtbar werden. Für das Publikum wiederum ist es eine wunderbare Chance, dort großartige Kunstwerke, Artefakte der Menschheitsgeschichte oder auch Arbeiten neuer Strömungen zu sehen. Umgekehrt weiß ich aus all meinen Erfahrungen, dass kein Museum finanziell so ausgestattet ist, ohne Hilfe und private Unterstützung seine Pläne realisieren zu können. Also war es nur konsequent, ja zu sagen, als man mich fragte, ob ich Verantwortung in der Gesellschaft für Moderne Kunst übernehmen wolle. Es ist sehr erfüllend, gemeinsam mit meinen Vorstandskolleg*innen viel für das Museum zu bewegen.

Durch die Corona-Pandemie steht auch das Museum Ludwig vor ungeahnten Herausforderungen. Wie kann ein Förderverein das Haus unterstützen, um diese zu meistern?

Das letzte Jahr hat uns alle gezwungen, noch stärker in die digitale Vermittlung einzusteigen. Unserer Erfahrung nach sind hier ein klarer Anspruch, eine gute Taktung und nur »wirklicher« Inhalt das A und O und natürlich eine hohe Flexibilität. Sobald die Häuser wieder geöffnet sind, muss man schnell wieder zum analogen Kunsterlebnis einladen. Denn der Zugang zum Original in seiner Unmittelbarkeit und Materialität bleibt meines Erachtens zentral, auch wenn die digitale Heranführung wichtig ist.

Gibt es Projekte und Aktivitäten in der Vergangenheit, die Ihnen persönlich besonders wichtig sind? Und was bringt die Zukunft?

Eines meiner Lieblingsprojekte sind die »kunst:dialoge«, die wir 2003 gestartet haben, damals übrigens als erstes Museum in Deutschland. In jedem Jahr werden etwa 25 junge Studierende der Kunstgeschichte im Rahmen der »kunst:dialoge« auf vielen Ebenen ausgebildet. Sie lernen das Museum in seiner Komplexität kennen, trainieren freies Sprechen und vermittelnde Körpersprache: Wie geht man auf Menschen zu, wie lockt man sie in ein Gespräch, in dem man Inhalte und Informationen weitergeben und Berührungsängste abbauen kann? Sie stehen dann zum Beispiel den Besucher*innen am »Langen Donnerstag« im Museum zu lockeren Gesprächen auf Augenhöhe zur Verfügung. All unsere Formate mit Leben zu füllen, ist Teil unserer Bemühungen. Darüber hinaus ist uns ein besonderes Anliegen, dem Museum zu helfen, die ständige Sammlung zu pflegen und neu zu gestalten. Das ist bei einem stetig wachsenden Haus für zeitgenössische Kunst besonders kostspielig, und dafür gibt es kaum Budget. Manches Kunstwerk muss jedes Mal, wenn es gezeigt wird, neu produziert werden. Das heißt, es bedarf immer neuer Technik, wie z. B. Motoren, Bildschirmen, Projektoren, Lampen oder Lautsprechern. Die Installationen sind kompliziert, die Materialien oft fragil. Dafür suchen wir sehr gezielt Unterstützung. Aber auch die klassische Kunst braucht Pflege, und die ist oft teuer. Im vergangenen Jahr konnten wir über unser jüngstes Projekt, die »International Society«, die Restaurierung eines Hauptwerkes von Brice Marden initiieren, so dass es im kommenden Jahr dann hoffentlich wieder gezeigt werden kann.

Schwerpunktthema der Ausgabe dieses Magazins ist »Nähe«. Welchem Kunstwerk in der Sammlung des Ludwig fühlen Sie sich besonders nah?

Sie fragten mich nach Max Beckmann, dem Großvater. Nun, es liegt nahe: die Beckmann-Sammlung, die Lilly von Schnitzler-Mallinckrodt im Jahr 1957 schenkte. Diese Sammlung kenne ich mein ganzes Leben, auch schon, als sie noch in dem wunderbaren Haus dieser großartigen Sammlerin in Bayern hing. Im Museum Ludwig den Beckmann-Raum besuchen, ist daher für mich wie nach Hause kommen.

Interview: Rüdiger Müller