Aller guten Sinne sind 5

Vieles weiß man bekanntlich erst zu schätzen, wenn es einem abhanden kommt. Ein Erinnerungsstück, ein enger Freund – oder einer unserer Sinne. Nach überstandener Coronainfektion klagt eine Museumskollegin, dass für sie von heute auf morgen alles gleich schmeckt. Oder treffender gesagt: alles nach nichts. Würde ihr Geschmackssinn nun dauerhaft auf stur schalten?

Illustration mit den Geschmacksfeldern der menschlichen Zunge

Illustration: Steffi Krohmann

Was weitreichende Folgen hätte – nie mehr einen Abend beim Lieblingsitaliener genießen, Gaumenkitzel ade, und auch das Gläschen Rotwein kann man sich schenken, Leitungswasser ist günstiger und hätte denselben Effekt. Ihr Geschmackssinn kam wieder. Und mit ihm die Erkenntnis, wie entscheidend die Sinne unser Leben und Erleben prägen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Die sensorischen Wahrnehmungen sind unerlässlich und unser Kompass durch eine tosende Welt, in der tagtäglich unzählige Sinneseindrücke lauern. Aufgeschnappt von den Sinnesorganen, entschlüsselt vom Gehirn.

Weshalb auch jede*r Einzelne von uns das große Ganze ein wenig anders deutet und begreift. Ein jeder verfügt über seinen ureigenen Erfahrungshorizont, ein Gedächtnis, das alles jemals im Leben Gesehene, Gehörte, Erschnupperte, Geschmeckte und Gefühlte einordnet. Und ist doch stets offen für täglich neue Eindrücke. Von denen die Museen eine Menge bieten. Denn Kunst und Kultur lassen sich mit allen unseren Sinnen entdecken.

Text: Rüdiger Müller

Rüdiger Müller studierte Germanistik und Politologie, lebt in Köln und arbeitet als freier Autor, Gestalter und Chefredakteur von museen.koeln - Das Magazin.

Illustrationen: Steffi Krohmann