Statt ihre Ära gemächlich ausklingen zu lassen, stemmt sie in den letzten Monaten im Amt noch eine große Ausstellung. Und es ist gar nicht leicht, einen Gesprächstermin in der ausgefüllten Arbeitswoche zu ergattern. Texte müssen geschrieben werden, der Katalog liegt in den letzten Zügen. Und er verspricht ein spannendes Finale. Dazu geladen hat Schlombs fünf zeitgenössische Künstler*innen aus Korea, Japan, China. Alle seien sie toll, echte Wunschkünstler, Schlombs strahlt.
Qiu Shihua ist darunter, mit 82 Jahren der älteste im Quintett. Seine monochrome Malerei hat Schlombs immer wieder in der Kölner Galerie Karsten Greve bewundern können: Landschaften, extrem reduziert auf nuancierte Weißtöne, die der chinesische Künstler in lasierenden Schichten auf Leinwand oder Papier bringt. »Malerei am Rande der Sichtbarkeit«, so beschreibt Qiu Shihua selbst es treffend.
Ebenfalls dabei ist Leiko Ikemura. 2015 hatte Schlombs der in Japan geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin bereits eine große Überblicksschau im Museum für Ostasiatische Kunst ausgerichtet. Seither hat Ikemuras monumentale Plastik einer freundlichen Schutzgöttin mit weitem Rock und Hasenohren einen festen Platz im Museumsfoyer. Die Ausstellung jetzt zeigt dazu ihre auf Jute gemalten Horizontbilder.
Den Arbeiten aller fünf Zeitgenoss*innen stellt Schlombs in ihrer Ausstellung ein sorgsam gewähltes historisches Objekt aus der hauseigenen Sammlung zur Seite. Sieht sie ihre Abschiedsausstellung als eine Art Resümee aus drei Jahrzehnten? Vielleicht ein wenig. Aber viel mehr, so Schlombs, sei die Schau in die Zukunft gerichtet. Indem sie zeige, wie die Zeitgenoss*innen aus dem schier endlosen Fundus der eigenen Kultur, Geschichte und Tradition schöpften. Es wird deutlich, wie sie Altes umdeuten, Neues erfinden, Eigenes schaffen.
Ein schönes Beispiel bietet Kimsooja, die mit ihren Bottari-Arbeiten auch schon bei der »documenta« in Kassel zu Gast war. Vorbilder sind Gepäckbündel, wie man sie in der koreanischen Heimat der Künstlerin seit Jahrhunderten schnürt. Kimsooja verwendet für ihre künstlerische Neuinterpretation traditionelle Hochzeitsdecken mit Glückssymbolen und verschnürt darin benutzte Kleidung. Themen wie Migration und Heimatlosigkeit klingen an in ihren Installationen und Videos. Fragen nach der Identität in unserer globalen Welt. Die Symbole der bunten Decken, die Kimsooja benutzt, fand Schlombs ähnlich auf einem koreanischen Kasten für Hochzeitsgeschenke und zeigt das kostbare Stück aus dem 15. Jahrhundert in der Ausstellung Seite an Seite mit den aktuellen Arbeiten von Kimsooja.
Viel selbstbewusster seien die Künstler*innen in Ostasien heute, erklärt Schlombs. Längst suchten sie ihre Vorbilder nicht mehr im Westen. »Diese Zeiten sind vorbei.« Heute orientiert man sich lieber an den eigenen Traditionen. Wie auch Evelyn Taocheng Wang. Sie schreibt, malt, zeichnet Geschichten auf Papierbahnen, die den uralten chinesischen Querrollen gleichen. Mit traditionellen Techniken und Malstilen bringt Evelyn Taocheng Wang hier Themen einer Intellektuellen des 21. Jahrhunderts zu Papier.
Lange rangierte außereuropäische Kunst unter ferner liefen. Doch immer mehr gerät der westlich geprägte Kanon ins Wanken. Auch die Kunst und Kultur Ostasiens rücken vom Rand ins Blickfeld. Eine Entwicklung, die Schlombs als Direktorin miterlebt hat und die sicher noch nicht am Ende ist, wie sie meint.
Auf Augenhöhe begegnen sich die Kulturen bei Yu Duan, mit 26 Jahren die jüngste Künstlerin der Ausstellung. Während des Studiums in London ging die Chinesin mit der Kamera auf Forschungstour durch private Gärten. Und führte die Idee in den ländlichen Regionen im Süden Chinas fort. Mit ganz anderen Ergebnissen: Yu Duans eigenwillige Aufnahmen zeigen nicht das sorgsam gehegte und gepflegte Grün der europäischen Großstädter. Sondern das selbstverständliche, beiläufige, unbeachtete Grün – ein Alltagsgrün, das für die Menschen auf dem Lande in China einfach dazugehört.
Was Schlombs betrifft, so will sie sich demnächst auch viel mehr im Grünen umtun. Darauf freut sie sich, denn für den eigenen Garten habe sie immer viel zu wenig Zeit gehabt. Doch auch im Haus am Aachener Weiher wird sie natürlich präsent bleiben. Etwa im Museumsshop, wo sich etliche Bestandskataloge reihen, die Schlombs als Direktorin veröffentlichen konnte. Auch im außergewöhnlichen Museumslogo hinterlässt Schlombs ihre Spuren. Sie hatte es von einem prominenten Siegelschneider im Palastmuseum in Peking anfertigen lassen und ist bis heute begeistert vom freundlichen, offenen Stil: »Dieses rote Siegel auf einem weißen Papier – was kann es Schöneres geben?