Daraus entstehen persönliche Texte, die als »Junior-Beschilderung« die klassischen Beschriftungen der Gemälde in den Ausstellungsräumen ergänzen und – wenn man so will – den Spielraum der Kunstbetrachtung erweitern. Mias Blick wandert von der Wand mit der gerahmten Leinwand auf ihre Notizen und zurück. Immerhin war sie beim Suchen und Durchstreifen der Museumsräume genau hier hängengeblieben. Jetzt fragt sie sich: warum? Was zieht sie an? Was verbindet sie mit diesem Bild? Dabei geht es nicht um kunstgeschichtliche Vorkenntnisse. Was zählt, ist der unvoreingenommene Blick. Doch nicht das Sehen allein – es geht auch um Gefühle, um Erlebtes und Erinnertes. Um Berührungspunkte und all das, was die Bilder bei den jungen Museumsgästen an Assoziationen und Emotionen auslösen.
Die »Junior-Beschilderung« ist ein Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit des Museumsdienstes mit der Museumsschule Köln. Dr. Stephanie Sonntag, für das Wallraf zuständige Referentin des Museumsdienstes, wünschte sich Wandtexte von Schulkindern, die die klassische Beschilderung ergänzen. Die Museumsschule erarbeitete dazu vertiefende Fragen und entwickelte das Projekt nach einem schon in der Vergangenheit bewährten Bildungsansatz: So entdecken die Grundschulkinder das Museum und seine Werke manchmal sogar im Tandem mit Schüler*innen aus höheren Klassen. Die »Großen« – bei Mia ist es der 16-jährige Amir – begleiten sie und stehen den Jüngeren nicht zuletzt bei der Ausformulierung der Texte zur Seite. Für Stephanie Sonntag bedeuten die Beiträge nicht nur eine besondere Art der Teilhabe und Wertschätzung der Museumsgänger*innen von morgen, sondern auch einen klaren Gewinn fürs Wallraf: »Die Texte werden auch von Erwachsenen mit großem Interesse gelesen. Denn nicht selten führen die sehr persönlichen Anmerkungen zu ganz neuen, überraschenden Einsichten.« Und die sollen demnächst unter dem Titel »Berührungspunkte« auch gesammelt in Buchform erscheinen.
Ich finde das Bild toll, weil es mich an die Hochzeit meiner Eltern erinnert. Damals sind wir mit Booten übers Wasser gefahren, und mir hat es besonders gut gefallen, wie mir der Wind ins Gesicht geflogen ist. Als wir mit dem Boot losfuhren, konnte ich alles um mich vergessen.
Finja, 9 Jahre
Corinths Bilder wirken auf mich wild und entschlossen. Er war ein unruhiger Mensch, der es nie zuhause aushielt. Deshalb gibt es viele Landschaftsbilder, weil er draußen in der Natur seine Energie verbrauchte. Er hat seine Bilder bestimmt schnell, in großer Unruhe gemalt und hatte vielleicht schon das zweite im Kopf, bevor das erste fertig war.
Uwe, 12 Jahre
Ich mag das Bild, weil die Bäume so ruhig und friedlich aussehen. Ich stelle mir vor, wie ich im Gras liege und in den Himmel schaue. Besonders gefallen mir die bunten Blüten. Ich erkenne im Hintergrund auch die Stadt und den Sonnenuntergang. Ich glaube, wenn ich unter diesem schönen Baum im Gras liegen würde, hätte ich keine Angst mehr.
Yusuf, 9 Jahre