Zu guter Letzt - Spielraum
DADA siegt!
Kunst oder Kappes? »Was Dada ist, wissen nur die Dadaisten. Und die sagen es niemandem.« Falsch! »Dada war eine Bombe«, verrät der Künstler Hans Arp, zumindest rückblickend. Er und seine Mit streiter*innen, darunter Max Ernst, J. T. Baargeld, Heinrich und Angelika Hoerle, zünden den Sprengkörper mitten im belebten Köln der wilden Zwanziger: Als Werke von Arp und Baargeld auf Weisung des Direktors aus einer Ausstellung im Kunst gewerbemuseum am Hansaring verbannt werden, mietet der Kölner DADA-Ableger im Frühjahr 1920 den Lichthof des Weinhauses Winter - - in der Schildergasse als neue Spiel wiese: In der Ausstellung »DADA Vorfrühling« will man – das eint die Bewegung landesweit – Neues wagen und provozieren. Da lässt der Kunstskandal nicht lange auf sich warten: In die Präsentation ge langt man über die Herrentoilette, Mädchen in Kommunionskleidchen rezitieren schlüpfrige Verse, und überhaupt steht man unter Verdacht, Reklame für einen Schwulenpuff zu machen. Gezeigt werden Werke wie »dadaisten, leere gefäße und bärte spielen miteinander«, »ich grüße nur noch simulanten« oder - - »der sportsmann max ernst beim training am 100 m-ständer«. Das Publikum wird ermuntert, Werke, die ihm missfallen, kurzerhand mit einer bereitgelegten Axt zu zer trümmern. Für schnellen Ersatz ist gesorgt. Ordnungshüter beobachten das avantgardistische Treiben mit Argusaugen – nach dem Tobsuchts anfall eines Besuchers wird die Präsentation polizeilich geschlossen. Zur triumphalen Freude aller Be teiligten aber nur kurzzeitig: »DADA siegt!« – und liegt in Köln trotzdem in den letzten Zügen: Viele seiner wichtigen Protagonisten wandern ab nach Paris.
Text: Rüdiger Müller